Beispielgeschichte
Sophie und die Schultüte voller Mut
Beispiel · Held: Sophie, 6 Jahre
Am Abend vor der Einschulung saß Sophie auf ihrem Bett und schaute ihre Schultüte an. Sie war groß und lila, mit einem Fuchs darauf, den Sophie mit Oma gebastelt hatte. Morgen durfte sie sie endlich tragen. Und trotzdem hatte Sophie Bauchkribbeln, aber kein schönes.
„Was ist los?“, fragte Papa und setzte sich zu ihr. Sophie zuckte mit den Schultern. Dann sagte sie leise: „Was ist, wenn mich keiner mag? Lotta geht doch auf die andere Schule.“
Papa nickte. „Das verstehe ich. Weißt du, was ich an meinem ersten Schultag gemacht habe? Ich habe mich neben einen Jungen gesetzt, der genauso aufgeregt aussah wie ich. Und dann haben wir zusammen aufgeregt sein können. Das war viel besser als allein.“
Sophie musste ein bisschen lächeln. Dann schlief sie ein, die Schultüte neben dem Bett.
Am nächsten Morgen war die Turnhalle der Schule voller Menschen. Eltern mit Kameras, Großeltern mit Blumen, Kinder mit Schultüten in allen Farben. Auf der Bühne sangen die Zweitklässler ein Lied über einen Raben, der in die Schule geht. Sophie hielt Papas Hand ganz fest.
Dann wurden die Namen aufgerufen. „Sophie!“ Sophies Herz klopfte. Sie ging nach vorne, zu einer Frau mit kurzen roten Haaren und einem Lächeln. „Ich bin Frau Winter“, sagte die Frau. „Ich bin deine Lehrerin. Komm, wir gehen in unser Klassenzimmer.“
Das Klassenzimmer roch nach Holz und neuen Stiften. An den Fenstern klebten bunte Papiervögel, auf jedem stand ein Name. Sophie fand ihren Vogel. Er war gelb.
Neben Sophies Platz saß ein Mädchen mit einer Brille und einer Schultüte mit einem Drachen. Sie drehte die ganze Zeit an ihrem Zopf und schaute auf den Tisch. Sophie erinnerte sich an das, was Papa gesagt hatte.
„Ich bin auch aufgeregt“, flüsterte Sophie. Das Mädchen schaute auf. „Echt?“ – „Echt“, sagte Sophie. „Ich bin Sophie.“ – „Ich bin Amira“, sagte das Mädchen. Und dann lächelten sie beide ein bisschen.
Frau Winter las eine Geschichte vor, und alle Kinder durften ihren Namen auf ein Blatt malen. Sophie malte einen Fuchs neben ihren Namen. Amira malte einen Drachen. „Wir sind ein Fuchs-Drachen-Team“, sagte Amira. Sophie fand, dass das das beste Team der Welt war.
Nach der ersten Stunde warteten die Eltern draußen auf dem Schulhof. Sophie rannte zu Papa. „Papa! Ich habe eine Freundin! Sie heißt Amira, und sie ist auch aufgeregt!“ Papa lachte und hob sie hoch, mitsamt der Schultüte.
Am Abend, als die Schultüte ausgepackt war und Sophie im Bett lag, war das Bauchkribbeln wieder da. Aber diesmal war es ein schönes. „Papa“, sagte Sophie, „morgen gehe ich wieder hin.“ Und sie schlief ein, mit einem gelben Papiervogel im Kopf.



