Beispielgeschichte
Luis und die Zahnfeen-Wache
Beispiel · Held: Luis, 3 Jahre
Luis mochte vieles. Nudeln mit Soße, Apfelschnitze, Matschpfützen und Bagger. Was Luis nicht mochte, war Zähneputzen. Jeden Abend machte er den Mund ganz fest zu, so fest, wie eine Muschel.
An diesem Abend, als Papa mit der Zahnbürste kam, hörte Luis plötzlich ein feines Klingeln. Auf dem Rand des Waschbeckens stand ein winziges Wesen mit glitzernden Flügeln und einem Helm aus einer Haselnussschale.
„Ich bin Fiona“, sagte das Wesen. „Ich bin von der Zahnfeen-Wache. Wir passen auf die Zähne von allen Kindern auf. Aber heute brauche ich deine Hilfe.“
Luis vergaß ganz, den Mund zuzumachen. „Meine Hilfe?“ – „Ja“, sagte Fiona ernst. „In deinem Mund wohnen zwanzig kleine Zähne. Sie haben heute ganz viel gearbeitet. Sie haben Nudeln gekaut und Apfelschnitze und sogar ein Stück Kuchen bei Oma.“
Luis nickte. Das stimmte alles.
„Jetzt sind sie müde und voller Krümel“, sagte Fiona. „Und in der Nacht kommen die Krümelmonster. Die sind ganz klein und mögen Zucker. Wenn die Zähne nicht sauber sind, machen die Krümelmonster es sich gemütlich.“
Luis schaute in den Spiegel und machte vorsichtig den Mund auf. Er sah keine Krümelmonster. Aber er sah ein bisschen Kuchen zwischen den Zähnen. „Was machen wir?“, flüsterte er.
Fiona zeigte auf die Zahnbürste in Papas Hand. „Das ist der Zauberbesen der Zahnfeen-Wache. Nur Helden dürfen ihn benutzen. Willst du ein Held sein?“
Luis nahm die Zahnbürste. Papa gab einen kleinen Klecks Zahnpasta drauf. Dann fing Luis an. Oben links. Oben rechts. Unten links. Unten rechts. Fiona flog um seinen Kopf herum und rief: „Da hinten noch! Die Backenzähne!“
Dann sagte Papa: „Und jetzt putzt der Oberheld nach.“ Luis machte den Mund ganz weit auf, wie ein Löwe. Papa putzte überall nach, ganz gründlich, und Luis zählte bis zwanzig. Fiona zählte mit.
Zum Schluss spülte Luis mit Wasser und spuckte ins Waschbecken. Er grinste in den Spiegel. Seine Zähne blitzten.
„Hervorragend“, sagte Fiona und salutierte mit ihrem kleinen Flügel. „Heute Nacht haben die Krümelmonster keine Chance.“ Dann flog sie zum Fenster hinaus, hinauf zu den Sternen.
Luis lag im Bett und fuhr mit der Zunge über seine glatten Zähne. „Papa“, sagte er, „morgen putze ich wieder. Fiona braucht mich.“ Papa gab ihm einen Kuss. „Gute Nacht, Held.“ Und Luis schlief ein, mit blitzsauberen Zähnen.




