Beispielgeschichte
Ella und die rote Schaufel
Beispiel · Held: Ella, 3 Jahre
Ella hatte eine rote Schaufel. Es war die beste Schaufel der Welt. Sie hatte einen langen Stiel, ein kleines Loch am Ende und einen Kratzer, der aussah wie ein Blitz. Mit dieser Schaufel konnte Ella die tiefsten Löcher im ganzen Sandkasten graben.
An einem sonnigen Nachmittag saß Ella im Sandkasten auf dem Spielplatz und grub. Da kam ein Junge, den sie noch nicht kannte. Er hatte eine grüne Mütze und keine Schaufel. Er setzte sich neben Ella und schaute zu.
„Darf ich auch mal?“, fragte der Junge und zeigte auf die rote Schaufel. Ella drückte die Schaufel an ihre Brust. „Nein“, sagte sie. „Meins.“
Der Junge sagte nichts. Er grub mit den Händen ein kleines Loch. Aber der Sand war trocken und rieselte immer wieder hinein. Ella grub weiter mit ihrer roten Schaufel. Ihr Loch wurde tiefer und tiefer. Aber irgendwie machte es nicht mehr so viel Spaß wie vorher.
Ella schaute zu dem Jungen. Er hatte aufgehört zu graben und malte mit dem Finger Kreise in den Sand. Er sah ein bisschen traurig aus.
Ella dachte nach. Die Schaufel war ihre. Das stimmte. Aber das Loch war jetzt so tief, dass sie gar nicht mehr wusste, wofür. Sie hätte gern eine Burg gebaut. Aber eine Burg allein zu bauen, das dauerte sehr lange.
„Wie heißt du?“, fragte Ella. „Tim“, sagte der Junge. Ella überlegte noch einen Moment. Dann hielt sie ihm die rote Schaufel hin. „Du darfst graben. Ich baue die Türme.“
Tim nahm die Schaufel ganz vorsichtig, als wäre sie aus Glas. Dann fing er an zu graben, und er grub richtig gut. Ella klopfte mit ihren Händen den Sand fest und baute einen Turm. Dann noch einen. Tim grub einen Graben rundherum.
„Das ist ein Burggraben“, erklärte Tim. „Da kommt Wasser rein.“ Ella holte mit ihrem Eimer Wasser aus der Pfütze neben der Schaukel. Sie kippten es in den Graben. Es versickerte sofort, aber das war egal. Sie lachten beide.
Nach einer Weile gab Tim ihr die Schaufel zurück. „Jetzt du“, sagte er. Ella grub ein Tor in die Burg. Dann gab sie Tim die Schaufel wieder. So ging es hin und her, bis die schönste Burg auf dem ganzen Spielplatz fertig war.
Als Papa sie abholte, staunte er. „Wer hat denn die gebaut?“ – „Wir“, sagte Ella. „Ich und Tim. Mit meiner Schaufel.“
Am Abend lag Ella im Bett. Die rote Schaufel lag in ihrem Eimer im Flur, ein bisschen sandig, mit dem Kratzer wie ein Blitz. Sie war immer noch die beste Schaufel der Welt. Aber Ella wusste jetzt: Mit zwei Händen mehr baut man die schönsten Burgen. Und mit diesem Gedanken schlief sie ein.




