Mutmachgeschichte

Mutmachgeschichte übers Teilen

„Meins!“ gehört zu den ersten Wörtern, die viele Kinder mit Nachdruck sagen. Teilen ist für kleine Kinder schwer, weil sie gerade erst lernen, was ihnen gehört. Eine Geschichte kann zeigen, dass Teilen nicht Verlieren heißt, ohne dass du predigen musst.

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Aquarell: Zwei Kinder sitzen im Sandkasten und reichen sich eine rote Schaufel
Illustration mit KI erstellt

Warum Teilen so schwer ist

Für Kleinkinder ist ihr Spielzeug ein Teil von ihnen. Wenn ein anderes Kind danach greift, fühlt sich das an, als würde ihnen etwas weggenommen. Das ist keine Selbstsucht, sondern eine ganz normale Entwicklungsphase. Die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und abzuwarten, wächst erst nach und nach, meist im Kindergartenalter.

Deshalb hilft es wenig, ein Kind zum Teilen zu zwingen. „Gib ihm sofort die Schaufel!“ lehrt vor allem, dass der Stärkere bestimmt. Besser ist es, Teilen erlebbar zu machen: durch Vorbilder, durch Spiele, in denen man abwechselt, und durch Geschichten.

Wie eine Geschichte beim Teilen hilft

In einer Geschichte erlebt dein Kind eine Figur, die etwas hat, das ihr ganz wichtig ist, und die es trotzdem hergibt. Nicht, weil ein Erwachsener es befiehlt, sondern weil sie merkt, dass es zu zweit schöner ist. Gerade dieses eigene Erleben ist der Schlüssel. Eine gute Geschichte über das Teilen zeigt auch, dass es in Ordnung ist, manche Dinge nicht zu teilen, zum Beispiel das allerliebste Kuscheltier.

Was du im Alltag tun kannst

  • Abwechseln statt abgeben. „Erst du, dann Emil. Ich sage Bescheid, wenn die Sanduhr durch ist.“
  • Lieblingsstücke schützen. Bevor Besuch kommt, darf dein Kind ein paar Dinge wegräumen, die es nicht teilen möchte.
  • Gefühle anerkennen. „Du willst die Schaufel behalten. Das verstehe ich. Emil wartet auch darauf.“
  • Vorleben. „Willst du ein Stück von meinem Apfel?“ Kinder lernen Teilen vor allem, indem sie es erleben.
  • Bemerken, wenn es klappt. „Du hast Emil den Bagger gegeben. Schau mal, wie er sich freut.“

Wenn Besuch kommt

Besonders schwierig wird Teilen, wenn andere Kinder zu Besuch kommen und mit den eigenen Sachen spielen. Sprich vorher mit deinem Kind: Welche Spielsachen dürfen alle benutzen, welche bleiben im Schrank? Diese Absprache gibt Sicherheit, und dein Kind kann großzügiger sein, weil sein Schatz geschützt ist.

Ausführliche Tipps findest du im Artikel Kind teilen lernen, und wenn es vor allem zwischen Geschwistern kracht, im Artikel Geschwisterstreit.

Eine Geschichte mit dem Namen deines Kindes

Bei Winktale kannst du in der langen Geschichte die Lehre „Teilen“ wählen. Erzähl, was deinem Kind besonders schwerfällt, und wer mitspielen soll: das Geschwisterkind, die Freundin aus der Kita oder der Cousin, der am Wochenende zu Besuch kommt. So wird es die Geschichte deines Kindes.

Eine Geschichte ist ein liebevoller Weg, mit deinem Kind ins Gespräch zu kommen, aber keine Therapie. Wenn Ängste oder Schwierigkeiten über Wochen anhalten oder dein Kind beim Schlafen, Essen oder Spielen deutlich belasten, sprich mit eurer Kinderärztin oder eurem Kinderarzt oder mit einer Kinderpsychologin bzw. einem Kinderpsychologen.

Beispielgeschichte

Ella und die rote Schaufel

Beispiel · Held: Ella, 3 Jahre

Ella hatte eine rote Schaufel. Es war die beste Schaufel der Welt. Sie hatte einen langen Stiel, ein kleines Loch am Ende und einen Kratzer, der aussah wie ein Blitz. Mit dieser Schaufel konnte Ella die tiefsten Löcher im ganzen Sandkasten graben.

An einem sonnigen Nachmittag saß Ella im Sandkasten auf dem Spielplatz und grub. Da kam ein Junge, den sie noch nicht kannte. Er hatte eine grüne Mütze und keine Schaufel. Er setzte sich neben Ella und schaute zu.

„Darf ich auch mal?“, fragte der Junge und zeigte auf die rote Schaufel. Ella drückte die Schaufel an ihre Brust. „Nein“, sagte sie. „Meins.“

Der Junge sagte nichts. Er grub mit den Händen ein kleines Loch. Aber der Sand war trocken und rieselte immer wieder hinein. Ella grub weiter mit ihrer roten Schaufel. Ihr Loch wurde tiefer und tiefer. Aber irgendwie machte es nicht mehr so viel Spaß wie vorher.

Ella schaute zu dem Jungen. Er hatte aufgehört zu graben und malte mit dem Finger Kreise in den Sand. Er sah ein bisschen traurig aus.

Ella dachte nach. Die Schaufel war ihre. Das stimmte. Aber das Loch war jetzt so tief, dass sie gar nicht mehr wusste, wofür. Sie hätte gern eine Burg gebaut. Aber eine Burg allein zu bauen, das dauerte sehr lange.

„Wie heißt du?“, fragte Ella. „Tim“, sagte der Junge. Ella überlegte noch einen Moment. Dann hielt sie ihm die rote Schaufel hin. „Du darfst graben. Ich baue die Türme.“

Tim nahm die Schaufel ganz vorsichtig, als wäre sie aus Glas. Dann fing er an zu graben, und er grub richtig gut. Ella klopfte mit ihren Händen den Sand fest und baute einen Turm. Dann noch einen. Tim grub einen Graben rundherum.

„Das ist ein Burggraben“, erklärte Tim. „Da kommt Wasser rein.“ Ella holte mit ihrem Eimer Wasser aus der Pfütze neben der Schaukel. Sie kippten es in den Graben. Es versickerte sofort, aber das war egal. Sie lachten beide.

Nach einer Weile gab Tim ihr die Schaufel zurück. „Jetzt du“, sagte er. Ella grub ein Tor in die Burg. Dann gab sie Tim die Schaufel wieder. So ging es hin und her, bis die schönste Burg auf dem ganzen Spielplatz fertig war.

Als Papa sie abholte, staunte er. „Wer hat denn die gebaut?“ – „Wir“, sagte Ella. „Ich und Tim. Mit meiner Schaufel.“

Am Abend lag Ella im Bett. Die rote Schaufel lag in ihrem Eimer im Flur, ein bisschen sandig, mit dem Kratzer wie ein Blitz. Sie war immer noch die beste Schaufel der Welt. Aber Ella wusste jetzt: Mit zwei Händen mehr baut man die schönsten Burgen. Und mit diesem Gedanken schlief sie ein.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter können Kinder teilen?+

Die Fähigkeit wächst langsam. Kleinkinder tun sich oft schwer, im Kindergartenalter klappt es zunehmend besser, besonders mit Übung und Vorbildern.

Soll ich mein Kind zum Teilen zwingen?+

Besser nicht. Abwechseln, Gefühle anerkennen und Vorleben helfen meist mehr als Zwang. Lieblingsstücke darf ein Kind auch behalten.

Kann ich das Geschwisterkind in die Geschichte einbauen?+

Ja. In der langen Geschichte kannst du bis zu fünf weitere Figuren hinzufügen, auch Geschwister oder Freunde.

Auch verfügbar auf English · Español

Eine Geschichte übers Teilen mit deinem Kind

Wähle die Lehre „Teilen“, und dein Kind entdeckt in der Geschichte, dass zu zweit vieles schöner ist.

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