Beispielgeschichte
Hanna und der Stern im Apfelbaum
Beispiel · Held: Hanna, 5 Jahre
Hanna konnte nicht einschlafen. Sie lag in ihrem Bett und schaute aus dem Fenster in den Garten. Und da sah sie es: Im alten Apfelbaum leuchtete etwas. Ein kleines, silbernes Licht, das zwischen den Ästen zitterte.
Hanna zog ihre Hausschuhe an, nahm ihre Taschenlampe und schlich ganz leise die Treppe hinunter. Die Terrassentür quietschte nur ein bisschen.
Draußen war es kühl, und das Gras war feucht. Hanna ging bis zum Apfelbaum und leuchtete nach oben. Auf einem Ast saß ein Stern. Ein richtiger kleiner Stern, so groß wie ein Apfel, mit fünf runden Zacken. Er sah traurig aus.
„Hallo“, sagte Hanna. „Bist du runtergefallen?“ Der Stern nickte. „Ich wollte mir die Erde von nahem anschauen“, piepste er. „Aber jetzt komme ich nicht mehr zurück. Der Himmel ist so hoch.“
Hanna überlegte. Sie war keine, die schnell aufgab. „Wie bist du denn runtergekommen?“, fragte sie. „Gefallen“, sagte der Stern. „Ganz schnell. Aber hoch geht nur, wenn mich jemand richtig weit wirft.“
Hanna schaute auf ihre Arme. Sie konnte gut werfen, das wussten alle in der Kita. Aber bis zum Himmel? Dann hatte sie eine Idee. „Warte hier“, sagte sie und lief zum Schuppen.
Sie kam mit ihrem Drachen zurück, dem roten mit dem langen Schwanz, den sie im Herbst mit Papa gebaut hatte. „Du setzt dich drauf“, erklärte Hanna. „Und der Wind trägt dich hoch. Wenn du oben bist, lässt du einfach los.“
Der Stern kletterte vorsichtig auf den Drachen und hielt sich mit zwei Zacken fest. Hanna wartete, bis der Wind kam. Er kam ganz sacht, aus der Richtung vom Nachbarsgarten. Hanna rannte los, so schnell sie konnte, über die nasse Wiese. Der Drachen hob ab.
Er stieg höher und höher, über den Apfelbaum, über das Dach, bis die Schnur ganz straff war. Ganz oben sah Hanna ein kleines Glitzern, und dann war es weg. Am Himmel leuchtete plötzlich ein Stern mehr.
Der Drachen schaukelte leer zurück. Hanna holte die Schnur ein und schaute nach oben. Der neue Stern blinkte. Einmal, zweimal, dreimal. Hanna wusste genau, was das hieß: Danke.
Leise schlich sie zurück ins Haus, stellte den Drachen in den Flur und kroch in ihr warmes Bett. Ihre Füße waren kalt, aber ihr Herz war ganz warm.
Vom Bett aus konnte sie den Stern sehen. „Gute Nacht“, flüsterte Hanna. „Und fall nicht wieder runter.“ Der Stern blinkte noch einmal. Und Hanna schlief ein, mit einem Lächeln, das bis zum Morgen blieb.




