Mutmachgeschichte

Mutmachgeschichte gegen die Angst im Dunkeln

Viele Kinder zwischen drei und sechs Jahren haben Angst im Dunkeln. Die Fantasie wächst, und plötzlich wird der Bademantel an der Tür zum Riesen. Mit Argumenten kommst du da kaum weiter. Was oft besser hilft: zusammen mit einer Figur aus einer Geschichte die Nacht kennenlernen.

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Aquarell: Ein Mädchen mit einer Schneckentaschenlampe in einem gemütlichen Kinderzimmer, draußen leuchtet ein Stern
Illustration mit KI erstellt

Warum eine Geschichte gegen die Angst im Dunkeln hilft

Die Angst im Dunkeln hat weniger mit der Dunkelheit selbst zu tun als damit, dass vertraute Dinge plötzlich nicht mehr zu sehen sind. Eine Geschichte kann das ändern: Die Nacht bekommt freundliche Züge. Sie ruht sich aus, sie atmet leise wie eine schlafende Katze, sie hat Sterne als Nachtlichter. Wenn dein Kind die Nacht so kennenlernt, wird sie ein Stück weniger fremd.

Wichtig ist, dass die Geschichte die Angst ernst nimmt. Die Hauptfigur fürchtet sich wirklich, und niemand lacht sie aus. Sie findet einen eigenen Weg, und am Ende schläft sie ruhig ein.

Was du zusätzlich tun kannst

  • Eine Taschenlampen-Runde. Wie in der Beispielgeschichte unten: gemeinsam durchs Zimmer leuchten und jedem Ding „Gute Nacht“ sagen.
  • Ein Nachtlicht, wenn dein Kind es möchte. Ein warmes, gedimmtes Licht ist keine Niederlage, sondern eine Hilfe, die später wieder wegfallen kann.
  • Ein Versprechen, das hält. „Ich bin im Wohnzimmer. Wenn du rufst, komme ich.“ Und dann wirklich kommen.
  • Keine Gruselsprüche. Auch scherzhaft gemeinte Drohungen mit Gestalten, die Kinder holen, nehmen Kleine wörtlich.

So liest du die Geschichte vor

Lies die Geschichte, wenn dein Kind schon im Bett liegt, das Licht gedimmt ist und es noch nicht ganz müde ist. Mach an den Stellen, an denen die Figur mit der Lampe durchs Zimmer leuchtet, eine kleine Pause. Viele Kinder wollen dann selbst mitmachen und zeigen, wo in ihrem Zimmer der Bademantel hängt oder was nachts knackt. Lass es zu. Genau so wird aus der Geschichte euer eigenes Ritual.

Erkläre am Ende nicht, was dein Kind daraus lernen soll. Die Botschaft steckt in der Geschichte selbst. Wenn dein Kind etwas fragt oder erzählt, hör zu. Wenn nicht, sag einfach Gute Nacht. Und wenn es die Geschichte am nächsten Abend wieder hören will, umso besser: Wiederholung macht die Nacht vertraut.

Eine Geschichte mit dem Namen deines Kindes

Wenn die Hauptfigur heißt wie dein Kind und in seinem Zimmer mit seinem Kuscheltier liegt, wird die Geschichte ganz persönlich. Wähle bei Winktale in der langen Geschichte die Lehre „Keine Angst vor der Dunkelheit“ und erzähl kurz, was deinem Kind nachts Sorgen macht: Schatten, Geräusche oder der Schrank.

Mehr Tipps findest du im Artikel Kind hat Angst im Dunkeln. Wenn dein Kind abends grundsätzlich schwer ins Bett findet, hilft vielleicht auch der Ratgeber Kind will nicht schlafen.

Eine Geschichte ist ein liebevoller Weg, mit deinem Kind ins Gespräch zu kommen, aber keine Therapie. Wenn Ängste oder Schwierigkeiten über Wochen anhalten oder dein Kind beim Schlafen, Essen oder Spielen deutlich belasten, sprich mit eurer Kinderärztin oder eurem Kinderarzt oder mit einer Kinderpsychologin bzw. einem Kinderpsychologen.

Beispielgeschichte

Lena und die Schneckenlampe

Beispiel · Held: Lena, 4 Jahre

Lena mochte den Tag. Am Tag war ihr Zimmer gelb und warm, der Teppich hatte Sonnenflecken, und auf dem Regal saß Herr Wuschel, ihr Hase mit dem langen Ohr und dem kurzen Ohr. Nur abends, wenn Mama das Licht ausmachte, wurde das Zimmer ein anderes Zimmer.

Dann stand an der Tür ein großer Schatten mit Armen. Und aus der Ecke beim Schrank kam manchmal ein leises Knacken. „Mama“, rief Lena an diesem Abend, „da ist jemand.“

Mama kam sofort. Sie setzte sich auf die Bettkante und machte kein großes Licht an. Stattdessen holte sie etwas aus ihrer Tasche: eine kleine Taschenlampe in der Form einer Schnecke. Ihr Häuschen leuchtete orange, wenn man auf den Fühler drückte.

„Das ist eine Nachtschnecke“, sagte Mama. „Sie ist sehr langsam, aber sie sieht alles. Wollen wir zusammen nachschauen, wer da ist?“

Lena hielt die Schnecke mit beiden Händen fest. Ganz langsam ließ sie das orange Licht über die Wand wandern. Es kroch über das Bild mit dem Leuchtturm, über die Kommode, bis zur Tür. Und da hing … Lenas Bademantel. Der mit den Erdbeeren. Die Ärmel baumelten herunter wie zwei müde Arme.

„Gute Nacht, Bademantel“, flüsterte Lena. Mama lachte leise. „Gute Nacht, Bademantel.“

Dann leuchtete die Schnecke in die Ecke beim Schrank. Dort stand nur die Heizung. Und genau in diesem Moment machte sie wieder „knack“. „Die Heizung redet im Schlaf“, sagte Mama. „Wenn sie abends kühler wird, knackt sie ein bisschen. So wie du manchmal gähnst.“ Lena musste kichern. „Gute Nacht, Heizung.“

Sie sagten noch dem Stuhl Gute Nacht, der Kiste mit den Bausteinen und dem Leuchtturm auf dem Bild. Zum Schluss leuchtete Lena zum Fenster. Draußen war der Himmel dunkelblau, und ganz oben blinkte ein einzelner Stern.

„Weißt du was?“, sagte Mama. „Die Nacht ist gar nicht leer. Sie ist nur leise. Alle Dinge sind noch da, sie ruhen sich aus. Genau wie du gleich.“

Lena überlegte. Dann legte sie Herrn Wuschel neben sich aufs Kissen und stellte die Schnecke auf den Nachttisch. „Darf sie Wache halten?“ – „Natürlich“, sagte Mama. „Und ich bin im Wohnzimmer. Wenn du rufst, komme ich.“

Mama gab ihr einen Kuss auf die Stirn und ging hinaus. Die Tür ließ sie einen Spalt offen. Lena lag still da. An der Tür hing der Bademantel mit den Erdbeeren. In der Ecke schlief die Heizung. Und die Schnecke leuchtete ganz sanft, orange wie ein kleiner Sonnenuntergang.

„Gute Nacht, Nacht“, flüsterte Lena. Draußen blinkte der Stern zurück. Und bevor die Heizung das nächste Mal knackte, war Lena schon eingeschlafen.

Häufige Fragen

In welchem Alter tritt die Angst im Dunkeln häufig auf?+

Oft zwischen drei und sechs Jahren, wenn die Fantasie stark wächst. Bei vielen Kindern wird sie mit der Zeit schwächer, besonders wenn Eltern die Angst ernst nehmen und nicht verstärken.

Darf mein Kind mit Nachtlicht schlafen?+

Ja. Ein gedimmtes, warmes Licht stört die meisten Kinder nicht beim Schlafen und gibt ihnen Sicherheit.

Wie oft soll ich die Geschichte vorlesen?+

So oft dein Kind sie hören möchte. Wiederholung macht die Nacht vertraut, und viele Kinder wollen dieselbe Geschichte über Wochen jeden Abend.

Kann ich die Ängste meines Kindes in die Geschichte einbauen?+

Ja. Bei Winktale kannst du beschreiben, was genau dein Kind nachts beschäftigt, etwa Schatten oder Geräusche. Die Geschichte greift das behutsam auf.

Auch verfügbar auf English · Español

Eine Geschichte, in der die Nacht zur Freundin wird

Wähle die Lehre „Keine Angst vor der Dunkelheit“, und dein Kind wird selbst zur mutigen Hauptfigur.

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